Botanischer Garten Kiel

Das Amerikahaus

Das Aridhaus Amerika ist den Pflanzen aus den Trockenregionen Nord-, Mittel- und Südamerikas, insbesondere den Halbwüsten und Wüsten, gewidmet. Klimatisch handelt es sich also um ein Kalthaus, das sich ganzjährig durch hohe Tages- und relativ niedrige Nachttemperaturen (im Winter 5-10°C), bei geringer Luftfeuchte von etwa 30% auszeichnet.

Es fallen sofort beim Betreten die eindrucksvollen Kugel- und Säulenkakteen sowie die mächtigen Agaven auf. Die konsequente geographische Beschränkung auf einen Erdteil wird durch die zonierte Bepflanzung noch unterstützt.

Die in niederschlagsarmen Gebieten wie Wüsten und Halbwüsten, auf trockenen Felsfluren und in Grasländern gedeihenden Pflanzen nennt man Xerophyten. Sie wenden verschiedene Methoden an, um auch lange Trockenperioden zu überstehen. Einige überziehen ihre Blätter mit einer derben, ledrigen Haut, um so die Verdunstung stark herabzusetzen. Andere speichern das bei Regenfällen kurzzeitig verfügbare Wasser in fleischig-saftigen Geweben und werden daher als Sukkulenten (Saftpflanzen) bezeichnet. Als Wasserspeicher dienen je nach Art Wurzeln, Stämme und Blätter. Wurzelsukkulenten sind selten, während Stamm- und Blattsukkulenten häufig vorkommen. Bei den Stammsukkulenten gibt es Formen, die das kostbare Nass nur im knollig verdickten Stamm oder Fuß speichern, während andere den gesamten Spross mit Haupt- und Seitenästen als Wasserreservoir nutzen.

In den Sukkulentenlandschaften der Neuen Welt herrschen die Kakteen (Cactaceae), Agaven, Schopfbäume der Gattungen Dasylirion und die Elefantenfußpflanze Nolina (Familie Asparagaceae) sowie einige Dickblattgewächse (Crassulaceae) der Gattungen Echeveria, Dudleya und Sedum vor. Sie sind teils in geographischen Gruppen (Mexiko, Anden, südöstliches Südamerika) und teils in Themengruppen gepflanzt. Mittelpunkt einer Schaugruppe von Kakteen mit unterschiedlichen Wuchsformen sind die rund 120 Jahre alten Goldkugelkakteen (politisch korrekt für Schwiegermuttersitz) (Echinocactus grusonii). Diese Art wurde erst 1885 in Mexiko entdeckt.

Als „Urkakteen“ werden die noch mit deutlich entwickelten Blättern versehenen, strauchigen oder baumförmigen Laubkakteen der Gattung Pereskia bezeichnet. Pereskia grandifolia, ein Großblättriger Laubkaktus, blüht vom Spätfrühling bis in den Herbst hinein direkt hinter der Tür am Subtropenhaus. Die Gattung wurde von Charles Plumier nach dem Franzosen Nicolas-Claude Fabri de Peiresc benannt. Pereskia aculeata ist ein Schlinger, der rechts an der Glaswand emporwächst. Er blüht in Kiel nur in wenigen Jahren. Die Dornbüschel in den Blattachseln sowie der Blütenbaus verraten eindeutig die Zugehörigkeit der Pereskien zur Familie der Kakteengewächse.

Die prägnantesten Pflanzen dieser Familie sind die behaarten Säulen der Gattungen Selenicereus und Espostoa im Mittelbeet. An den Säulen der Cereus erscheinen regelmäßig weiße Blüten, die sich in der Abenddämmerung öffnen. Die Säulen der Kandelaberkakteen sind ebenso wüstentypisch, wie die weitverzweigten Achsensysteme der Opuntien.

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